Konzeption und Ziele

I. Vorwort

Begegnung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Körperbehinderung, gemeinsames Lernen und gemeinsam Freizeit zu gestalten sind die Ziele von intakt, dem Referat für integrative Arbeit mit körperbehinderten und nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Das Wahrnehmen der anderen und der eigenen Person mit all ihren Begabungen, Fähigkeiten und Einschränkungen, die Vielfalt als Bereicherung zu erfahren, gemeinsam Gemeinde zu sein und Evangelische Jugend zu gestalten steht dabei im Mittelpunkt. Wir, die Mitarbeitenden von intakt sowie die Teilnehmenden unserer Maßnahmen, haben sehr positive und bereichernde Erfahrungen in der Begegnung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Körperbehinderung gemacht.

Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Chancen, die in diesen Begegnungen liegen, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen zugänglich zu machen. Integration innerhalb der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit selbstverständlich werden zu lassen, ist ein hoher Anspruch.

Diese Konzeption legt die Ziele und Methoden unserer integrativen Arbeit fest und ist der Maßstab woran wir unsere Angebote messen.

II. Situationsanalyse – Leben in getrennten Welten

Im Vordergrund des Umgangs mit Behinderung steht in unserer Gesellschaft der Versuch mit Hilfe von Therapien, medizinischen Methoden und sonderpädagogische Maßnahmen die körperlichen Einschränkungen oder deren Folgen zu mindern. Die besondere Behandlung kann ermöglichen, sich in die Lebenswelt der Nichtbehinderten einzugliedern bzw. dorthin zurückzufinden, beispielsweise nach einem Unfall.

Andererseits führt diese Förderung, die an wenige spezialisierte Einrichtungen gebunden ist, meist zum Entstehen einer Parallel-Gesellschaft, die neben der nichtbehinderten Gesellschaft existiert.

Das Leben in zwei verschiedenen Lebenswelten, die sich durch viele Rahmenbedingungen und Zielsetzungen unterscheiden, führt in der Folge oft zu einer Entfremdung behinderter und nichtbehinderter Menschen.

Menschen ohne Behinderung wird durch diese Situation der Blick auf Behinderte und Behinderung verwehrt. Die Normalität wird eingeschränkt auf den eigenen Lebensraum, wodurch Behinderung als fremd, unverstehbar und weit entfernt erscheint. So lässt sich erklären, dass die Welt nach den Standards der Nichtbehinderten eingerichtet wird, beispielsweise in öffentlichen Gebäuden oder Verkehrsmitteln. In letzter Zeit werden durch die Gesetzgebung z.B. zur Barrierefreiheit die strukturellen Integrationshindernisse abgebaut. Eine Zusammenführung der beiden Gesellschaften stellt sich aber immer noch als schwierig dar.

III. Ziele

Um der oben beschriebenen Entfremdung entgegenzuwirken, besteht die Hauptaufgabe von intakt darin, Begegnungen zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Körperbehinderung zu ermöglichen und zu fördern.

Dabei haben sie die Chance
Gemeinschaft zu erleben und zu gestalten
Ihren Erfahrungshorizont zu erweitern
Anderssein wahrzunehmen, zu akzeptieren und als Bereicherung zu erleben
Vorurteile und Berührungsängste abzubauen
natürlichen Umgang mit Behinderung zu lernen
eigene Begabungen, Fähigkeiten und Grenzen wahrzunehmen und
den christlichen Glauben kennen zu lernen und in der Gemeinschaft zu erleben

Um möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen, will intakt Integration in allen Bereichen der Evangelischen Jugend in Baden als Querschnittsarbeit verankern.

Bei intakt sind Kompetenz und Information über integrative Arbeit gebündelt und abrufbar.

IV. Methoden

Integration wird im konkreten Umgang von Menschen mit und ohne Behinderung erfahrbar gemacht. Unterschiedliche Aufgaben und Arbeitsfelder von intakt ermöglichen diese Erfahrungen des gelebten Miteinanders. Alle Angebote, Arbeitsbereiche und Gremien werden gemeinsam von jungen Menschen mit und ohne Behinderungen gestaltet und geleitet.

Die Arbeit von intakt wird basisdemokratisch durch die Vollversammlung getragen. Dort werden alle 2 Jahre die Mitglieder des Landesarbeitskreises gewählt. Im Landesarbeitskreis (LAK) wird die integrative Arbeit gestaltet, organisiert und umgesetzt. In den Gremien der Evangelischen Jugend in Baden (Landesjugendkammer, jugendpolitischer Ausschuss) ist intakt durch Mitglieder des LAK vertreten.

Durch jugendpolitisches Engagement und Öffentlichkeitsarbeit leistet intakt Lobbyarbeit und schafft so die Voraussetzungen um Integration von Menschen mit Behinderung in der Kinder- und Jugendarbeit als Querschnittsarbeit zu verankern.

Mit exemplarischen und modellhaften Projekten soll zur Nachahmung angeregt werden. intakt erprobt Modelle der Integration und transportiert die Erfahrungen in andere Arbeitsformen der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit. Dabei soll immer wieder auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung hingewiesen werden, um eine Grundlage für erfolgreiche integrative Arbeit zu legen.

Ebenso wollen wir Beratungsstelle und Multiplikator sein mit dem Ziel möglichst viele Bereiche mit unserem Ausbildungsangebot und Know-how zu erreichen.

intakt bietet folgende Angebote mit Modellcharakter an:
integrative Freizeiten für Kinder und Jugendliche in verschiedenen Altersgrupppen
Städte- und Kulturfahrten für junge Erwachsene bis 26 Jahre
Bildungsangebote und Seminare für Jugendliche und junge Erwachsene

Die ehrenamtlich Mitarbeitenden, die diese Maßnahmen verantwortlich vorbereiten und durchführen, werden auf einer speziellen MitarbeiterInnenschulung ausgebildet. Dabei werden pädagogische, rechtliche und pflegerische Kenntnisse zur integrativen Arbeit vermittelt. Die Mitarbeitenden werden in ihrer Tätigkeit fachlich kompetent beraten und begleitet.

intakt strebt an, alle Maßnahmen in Kooperation mit anderen Trägern der Jugendarbeit durchzuführen, um positive Erfahrungen mit Integration zu transportieren und zur Nachahmung anzuregen.

Integrative Arbeit anderer Verbände unterstützt intakt mit dem Servicepaket, das im wesentlichen umfasst:

  • Beratung
  • Ausbildung
  • Materialverleih und
  • Unterstützung bei der Vermittlung von behindertengerechten Jugendhäusern.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Darstellung der integrativen Arbeit in der Öffentlichkeit durch

  • Informationsstände
  • Persönliche Kontakte
  • Handicap – Selbsterfahrung
  • Projekttage in Schulen und Konfirmandentage

Die Konzeption orientiert sich an der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Da diese einem ständigen, lebendigen Wandel unterliegt, müssen die Methoden immer wieder neu überdacht und zeitgemäß umgesetzt werden.

Verabschiedet auf der intakt VV Oktober 2003

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